Wenn der Morgen erwacht

Wenn der Morgen erwacht und der Duft des frisch aufgebrühten Kaffees durch die Küche zieht, ist es Zeit für mich, die erste halbe Stunde des Tages draußen zu verbringen.

Die Ruhe, die um diese Uhrzeit noch herrscht, ist Balsam für die Seele.

Das Zwitschern der Vögel wird mir als jubilierender Guten-Morgen-Gruß zugetragen, derweil ich mit meinem Kaffee an dem kleinen Gartentischchen sitze und den sich spiegelnden, schillernden Glanz der aufgehenden Sonne auf dem Fischteich genieße.

Ein kleiner, grüner Frosch mit goldenen Augen hüpft mit einem kurzen Platsch ins kühle Nass und dreht dort seine ersten Runden, ehe er sich wieder auf einem der Steine niederlässt, um sich in stoischer Gelassenheit trocknen zu lassen.

Die ersten kleinen Fischchen tauchen auf, um sich gleich darauf in einem bunten Schwarm an einer bestimmten Stelle des Teichs zu sammeln und auch unzählige Molche bewegen sich in kleinen Gruppen durch das Wasser. Grün und blau schimmernd, mit goldenen Ornamenten über dem Rücken, die an das Muster eines orientalischen Teppichs erinnern, tauchen sie auf, schnappen nach Luft und verharren dann regungslos unter den bunten Seerosenblättern.

Es wird wärmer, die Sonne steigt schnell höher und jetzt finden sich auch schon die ersten Libellen zum tanzenden Liebesspiel über den hohen Wassergräsern ein. Rot, blau, grün, gestreift, aber auch einfarbig faszinieren sie mich schon seit jeher mit ihren grazilen Bewegungen.

Wie ich einen jeden Morgen an dieser Stelle genieße. Es ist eine Zeit, die vollständig und ausschließlich mir allein gehört, eine Zeit, die ich als äußerst meditativ erachte, eine Zeit, die mir die Möglichkeit gibt, mich selbst und meinen Tag zu überdenken, aber auch, um mich auf Ruhe zu „kalibrieren“.

Zeit für sich selbst ist so unglaublich wichtig, auch wenn es vielleicht nur kurze Momente sind. Wenn wir uns selbst gehören und es dann noch schaffen, dieses ICH-BIN-Gefühl im Einklang mit der Natur zu erleben, sind wir reich beschenkt.

Ich selbst habe dieses Gefühl erst richtig auf unserem 3000 km langen Jakobsweg entwickelt, auf dem wir zehn Wochen lang einen jeglichen Morgen vor dem Zelt und in freier Natur verbracht haben. So unglaublich schön, auf welche Art und Weise uns jeden Tag aufs Neue das Herz geöffnet wurde.

Dieses Ritual, den ersten Kaffee draußen einzunehmen, währenddessen der Natur und meinen Gedanken zu lauschen, mich selbst zu fühlen und die Schönheit dessen, was mich umgibt, zu empfinden, dieses Ritual habe ich auch seit unserer Rückkehr von unserer Camino-Reise am 19.09.2015 beibehalten. Ob es regnet, schneit oder die Sonne scheint … der Morgen gehört mir in freier Natur und es sind genau jene Momente, in denen ich fühle, was „Leben“ tatsächlich bedeutet.

 

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