Kann alles nur noch besser werden

Na ja, und dann gibt es Tage, die einerseits schmerzhaft sind, aber andererseits spätestens am Abend zum Lachen anmuten, weil so viel Schrott passiert ist, eigentlich für ein halbes Jahr im Voraus … vielleicht aber auch nachträglich für die vergangenen sechs Monate, die im ruhigen Trott verlaufen sind.

Mein Herzblatt und ich machen gerade eine große Räumungsaktion und im Zuge dessen montiere ich unzählige Beschläge von einem alten Schrank ab, den wir am nächsten Tag zum Recycling-Hof bringen möchten. Ich hantiere also mit dem Schraubenzieher und möchte damit einen Beschlag aushebeln, denke für den Bruchteil einer Sekunde daran abzurutschen und was passiert? … Genau! Ich schlitze/schnitze mir mal eben schwungvoll die Herzlinie meiner linken Hand um mindestens drei Zentimeter länger … Na ja, kann ja nichts schaden, wenn die ein wenig länger und tiefer ist, als geplant.

Kurze Zeit später verpasse ich mir einen schönen blauen Fleck am Oberschenkel, als ich zu nahe an der Schubkarre vorbeischramme und mir den Griff gegen das Bein ramme.

Zwischendurch möchte ich mir eine Lebend-/Mausefalle aus einer PET-Flasche bauen. Ja, ja … kaum ist das Wetter mal schön und man lässt sämtliche Türen offen, kommen die Viecherl schon herein und besetzen den Küchenschrank. Ich meine, ich finde Mäuse ja wirklich süß, aber im Küchenschrank muss ich sie nun echt nicht haben. Also Falle basteln, Flasche mit Eierpicker durchlöchern und schon läuft’s Blut, weil ich mir rückwärtig in den Finger gepickt habe … aber das Loch ist wenigstens drin … also in der Flasche und ja, im Zeigefinger ebenfalls! Dann komplett sämtliche Schubfächer ausräumen und akribisch putzen, sämtliche Töpfe, Pfannen und Schüsseln schrubben, denn man weiß ja nicht, wo dieses Mäuschen überall drüber- und durchgehüpft ist, danach die Falle aufstellen und warten …

Um mir die Warterei zu versüßen, drückt mir mein Herzblatt einen neuen Ölfilter für mein Auto in die Hand. „Mach mal …“ Boah … Frau hat noch nie einen Ölwechsel gemacht, egal … „Mach isch halt“ bzw. ich versuche es zumindest, aber es scheitert schon daran, dass ich den alten Ölfilter nicht rauskriege. „Christian, könntest du bitte …“ Christian kann, aber dann ist er schon wieder weg. Hat ja schließlich noch eine Menge zu tun, wie z.B. die Elektrik von unserem Wohnbus und Anhänger überprüfen und z.T. neu verlegen, nicht dass wir in Kürze, wenn wir in Urlaub fahren, ohne Anhängerlicht durch die Gegend gurken. Also schraube ich den Ölfilter ab. „Denk dran, dass du ihn gleich umdrehst, wenn du ihn in der Hand hast – ist Öl drin!“ Ja klar! Weiß ich doch! … Oups … Hände waren vom Öl rutschig, Ölfilter knallt zu Boden, der 1. Fleck! Mist!

Zwischendurch mal kurz ins Haus gehen … Maus hatte wohl bislang noch keinen Bock auf Käse …

Dann wieder raus, Auto auf der Hebebühne hochfahren, Schüssel für Altöl platzieren und mal eben die Mutter lösen … Himmel … Wer hat die denn so gnadenlos zugeknallt … „Scha-atz … könntest du mal bitte …“ Auch das, dann schnell einen Sprung zur Seite und das Öl kommt in einem satten Bogen aus meinem Gefährt heraus, trifft sogar die Schüssel und ich bin stolz darauf, dass es ohne weitere Flecken abgeht. Triumphierend schaue ich abwechselnd zum Ölstrahl, dann wieder zu meinem Mann. Frau kann auch Ölwechsel machen, wenn sie weiß, wie es geht und mit Schüsseln kenne ich mich, als langjährige Hausfrau, ja bestens aus!

Meine Gedanken triften ab und irgendwie bin ich geistig am Schreiben eines neuen Buches. Ehrlich, das würde ich jetzt viel lieber machen!

Was ist denn das für ein Geräusch?

Irritiert schaue ich auf die Schüssel. Sie steht immer noch da, wo ich sie hingestellt habe, aber der Ölstrahl strahlt nicht mehr dorthin, wo er hin sollte! So ein elender Mistdreck!

Rasch flitze ich unter das Auto, um die Schüssel zu verschieben und sehe mich bereits im Nachhinein am Boden kniend den Ölfleck zu beseitigen, da wundere ich mich auf einmal, dass plötzlich kein Öl mehr in die Schüssel fließt und im selben Augenblick wird mir bewusst, dass ich mit dem Kopf direkt unter dem Auslass des Öltanks sitze und gerade im Begriff bin, mir die Haare mit Altöl zu färben. Na vielen Dank auch! Das muss jetzt sein, oder?

So langsam werde ich richtig sauer! Ich bin Autorin und kein Automechaniker! Was mach ich hier eigentlich? Pantsche mit Altöl herum, anstatt die schönsten Geschichten zu Papier zu bringen!

Aber vielleicht ist ja inzwischen die Maus in die Falle gegangen, doch bei meinem Glück am heutigen Tag hege ich daran immense Zweifel. Vermutlich hockt sie irgendwo hinter dem Schrank und lauert nur darauf, dass ich den Käse vielleicht neben die Falle lege oder sie ist schon längst ausgewandert und macht es sich in unseren vier Wänden woanders gemütlich, mit dickem, vollgefressenem Bauch!

Ein Blick auf die Falle zeigt mir, dass der Schließmechanismus zwar ausgelöst und der Käse von der Halterung heruntergerissen ist, doch was fehlt, ist die Maus – kein Wunder … Die mistige PET-Flasche schließt an der Schnittstelle nicht richtig, sodass Madame Maus problemlos wieder entwischen konnte. Muss ich morgen also doch eine professionelle Lebendfalle besorgen.

Wieder draußen bei meinem Auto verschließe ich den Öltank wieder und fahre die Hebebühne herunter, schraube dann meinen neuen Filter drauf und fülle neues Öl ein.

Warum eigentlich dieser ganze Mist? Weil seit Wochen meine Öldruckleuchte leuchtet und ich nicht mehr fahren darf, weil ich Gefahr laufe, dass mir ansonsten der Motor kaputt geht. Einzige Hoffnung war eben, dass die Leuchte ihr strahlendes Rot einstellt, wenn der Ölwechsel vollzogen ist, aber leider, leider … Die blöde Lampe leuchtet noch immer. Hätte es nicht einfach genügt, nur den hinteren Teil des Auspuffs zu verlieren? Aber nein … Ölleuchte muss auch noch sein! Nun gut, hilft nix, muss der alte Jeep eben doch in die Werkstatt. Meine Hoffnung liegt jetzt darauf, dass nur der Öldruckschalter im Eimer ist, denn alles andere würde sauteuer werden.

Okay, noch schnell zur Toilette, ehe mein Herzblatt mich abschleppender Weise zur Werkstatt begleitet … Und warum weise ich auf diesen Toilettengang hin? Weil ich doch tatsächlich auf die Spülung drücke und das Wasser nicht mehr aufhört zu laufen.

Ich krieg heut echt noch die Krise. Also schnell die Druckplatte des Spülkastens und das ganze Abdeckgedöns entfernen, danach mit Hilfe eines Metall-Schaschlikspießes den Schwimmer fixiert, damit kein Wasser mehr nachlaufen kann. Dass ich auch an der Schraube das Wasser abstellen könnte, daran denke ich im Moment nicht!

Jetzt aber erst schnell zur Werkstatt. Kennt jemand diese flexiblen Abschleppseile … das sind die reinsten Horrorseile. Konstant hast du das Gefühl, dass dieses Teil abreißen könnte und man dann blöd auf der Straße steht. Nun gut … es hat zumindest bis in den Hof der Werkstatt gehalten. Dann trete ich vor einem leeren Parkplatz – Macht der Gewohnheit – auf die Bremse, derweil Christian noch ein paar Meter weiterrollt. Tja, was soll ich sagen … das war’s dann erst mal mit dem Abschleppseil.

Wieder zu Hause widme ich mich der Öllache in der Halle und nachdem alles wieder aufgeräumt ist, flüchte ich ins Haus, unter dem Vorwand, nach der Maus sehen zu müssen, die ja gar nicht mehr in die Falle gehen kann, weil diese ja nicht mehr richtig funktionsfähig ist.

Also nochmal nach der WC-Spülung gucken …

Herzblatt und ich schauen diverse Erklärvideos auf Youtube an, doch der freundliche Sachse erklärt irgendetwas, was absolut nicht umsetzbar ist und sehen sieht man auch nicht wirklich was, weil er ständig die Hände vor der Cam hat. Egal … Heute läuft eh nichts mehr. Morgen wieder, beschließe ich und springe unter die Dusche, um meine altölgefärbten Haare wieder auf Vordermann zu bringen, nicht ohne mit dem Kopf an den Wasserhahn zu knallen, als ich die heruntergefallene Shampoflasche aufheben möchte … Na prima … der krönende Abschluss ist heute also auch noch ein brummender Schädel. Wenn blöd, dann schon richtig blöd!

Am nächsten Tag starte ich drei neuerliche Versuche, die Innereien des Spülkastens auszubauen. Mit googles Hilfe finde ich brauchbare pdfs, in denen alles ausführlich und anschaulich erklärt wird und schwupps, ist alles draußen. Jetzt noch entkalken, wieder einbauen, bisserl neu einstellen und dann klappt’s auch wieder mit der Spülung! Yeah! Doch endlich mal ein Erfolgserlebnis, derweil die Maus immer noch fröhlich durch den völlig leeren Küchenschrank springt.

Am Nachmittag schrubben wir unseren Anhänger. Soll ja schließlich schön sauber sein, wenn wir in Urlaub fahren und außerdem möchten wir noch diverse Aufkleber aufbringen. Ein Mal haben wir das Unikum schon abgestrahlt und nun steige ich mit nassen Schlappen auf die Deichsel, um mit der Bürste zu hantieren. Für den Bruchteil einer Sekunde denke ich noch, hoffentlich rutsche ich ni… und schon knalle ich von der Deichsel, schramme mit beiden Schienbeinen darüber, komme über die Deichsel zu Fall, donnere mit vollem Lebensgewicht mit dem Oberschenkel auf das Metall und verstauche mir das Handgelenk beim Abfangen …

Prima Gabi – haste mal wieder gut gemacht! Vielleicht sollte ich doch mehr auf meine Intuitionen achten und mich dementsprechend vorsehen.

Nach ein paar Minuten der Regeneration, während deren ich versuche, die Schmerzen wegzuatmen, beschließe ich, heute nur noch kleinere Aufräumaktionen zu machen, doch selbst hierbei schaffe ich es noch, mir mit einer spitzen Schraube meine Herzlinie – das hatten wir bereits – zu punktieren.

Tja und dann sitze ich letztendlich mit einer Tasse Kaffee draußen und lache über mich selbst. So schusselig wie in den vergangenen beiden Tagen, war ich schon lange nicht mehr. So denke ich mir: „Kann alles nur noch besser werden“ und stoße mit meinem Herzblatt auf das Wohl der Maus an.

 

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