Leseprobe „ULTREIA – Geh an deine Grenzen“

Endlich ist es soweit. Mein neues Buch „ULTREIA – Geh an deine Grenzen“ ist gedruckt und ab sofort bei Amazon oder in meinem Shop erhältlich.

Ich kann kaum beschreiben, wie sehr ich mich darüber freue, gerade dieses Buch jetzt in den Händen halten zu können. Es ist in mehrerer Hinsicht wirklich etwas ganz Besonderes.

Zum einen wurde mit ULTREIA der Grundstein zum eigenen Verlag gelegt, Satz, Layout und Covergestaltung liegen ab sofort ebenfalls in eigener Hand. Aber was das Wichtigste ist, … dieses Buch ist meine tiefsinnige Reise zu mir selbst, mein Jakobsweg, meine Erkenntnisstrecke, mein ICH, zu dem ich seit letztem Jahr immer mehr und mehr zurückfinde.

So unglaublich viele Gedanken, die mir damals durch den Kopf gegangen sind, hervorgerufen durch wundervolle Momente, liebenswerte Menschen, mystische Orte  und durch die Magie unserer traumhaften Natur, die sich uns auf unserem gesamten Weg in ihren schönsten Farben zeigte. Gedankengänge, die manches Mal durch ganz banale Dinge ausgelöst und dann wiederum weitergesponnen wurden, um mit ihren Fäden das normale, alltägliche Leben zu umweben.

Begebenheiten werden zu Gedanken – Gedanken zu Erkenntnissen – Erkenntnisse zu Emotionen – Emotionen zu Handlungen und Handlungen führen zu Veränderungen, die das ganze Leben beeinflussen können …

Hier eine Leseprobe aus meinem Buch und somit aus dem tiefsten Innern meiner selbst:

27.07.2015

Wir sitzen in der aufgehenden Sonne an einem kleinen See vor einem herrlichen Bergpanorama und während Christian an den Blog-Artikeln für die liteRADtour.com – Seite schreibt, lasse ich die letzten vergangenen Tage in Gedanken Revue passieren, jedoch nicht in Bezug auf die Landschaft, sondern meinem Innern entsprechend.

Als wir zu unserem ganz persönlichen Jakobsweg aufbrachen, war ich mehr oder weniger davon überzeugt, dass man sehr wohl meditativ „laufen“, aber nur bedingt meditativ „radeln“ kann. Ich glaube, dass das Fahren mit dem Rad in einer Art Teil-Trance nicht möglich ist, also dieses „automatische Fahren“, welches einen so manches Mal mit dem Auto von einem Ort zum anderen bringt, während man völlig in Gedanken weilt und es einem bei der Ankunft letztendlich schleierhaft ist, wie und auf welchem Weg man sein Ziel erreicht hat, denn die überbrückte Strecke gleicht einem Filmriss des Gedächtnisses.

Nun, ich habe dies während des Radfahrens noch nicht in dieser Extremform erlebt, kann mir auch nicht vorstellen, dass ich in diese Situation kommen werde, denn viel zu konzentriert muss ich beim Radeln auf so vieles achten, um mich einigermaßen sicher zu fühlen, was jedoch dennoch oft genug nicht der Fall ist, vor allem mit den schweren Taschen auf dem Gepäckträger.

Obwohl schon „ausgemistet“ und diverse Dinge teilweise wieder nach Hause geschickt wurden, sind wir immer noch überladen.

Wir haben uns auf das Nötigste beschränkt. Was jedoch das Gewicht beträchtlich anhebt, ist die Technik, die wir für das Filmen und Fotografieren benötigen, gleichermaßen das Notebook, um unseren Blog auf dem Laufenden halten zu können, aber auch, um unsere geistigen Ergüsse, Bilder und Filmsequenzen abspeichern zu können. Ja, man ist verwöhnt.

Vielleicht hätte es auch genügt, einfach nur ein paar  Speicherkarten mehr mitzunehmen und auf das Blogschreiben zu verzichten, anstatt das schwere Notebook mitzuschleppen.

Wenn ich mir diese Situation so anschaue, kann ich sie jedoch gleich wieder auf mich persönlich umwandeln.

Wie sehr beschränkt man sich doch selbst, je mehr inneren Ballast und unnötige Gedankengänge, Sorgen und Probleme man wälzt und mit sich herumträgt.

Es ist sicherlich nicht einfach abzuwägen, was wirklich wichtig für einen ist, aber wir müssen lernen, Prioritäten zu erkennen und das loszulassen, was unwichtig für unsere Lebensqualität ist. Loszulassen, was uns belastet, was uns den Atem und die Freude am Leben raubt.

Doch so, wie die „ausgemisteten“ Taschen noch immer viel zu schwer sind, erkenne ich, dass das „Nötigste“, was ich zurückbehalten habe, noch immer viel zu viel ist und dass ich, ganz gleich, wie viel ich auch an Gedankenmustern aus meinen inneren Radtaschen aussortiere, nach jedem Reinigungsprozess stets der Meinung sein werde, dass ich genau JETZT, in diesem Moment, nur noch das Nötigste in mir trage. Doch selbst dies wird stets immer noch zu viel sein.

Der Mensch trägt so viel Ballast mit sich herum, weil er an Wichtigkeiten glaubt, die für sein eigentliches Lebensgefühl jedoch nicht wirklich relevant sind und weil er sich selbst so manch ein Problem erschafft, welches im Grunde genommen gar kein Problem ist.

Wenn ich bei mir beginnen würde, meine inneren Radtaschen von unnötigem Gewicht zu befreien, sollte ich vielleicht damit anfangen, meine Zweifel und Ängste in ein Päckchen zu packen und „nach Hause“ zu schicken.

Vielleicht noch ein paar Unsicherheiten dazu und eine gehörige Portion Verantwortung für andere Menschen, die ich mit mir herumschleppe, obgleich doch jeder selbst in seiner Eigenverantwortung steht. Na ja und dann am besten auch gleich noch einen Teil meiner Unflexibilität und die Meinung, ich müsse alles für alle und jeden im Griff haben, sei es hier auf der Reise oder auch zu Hause. Aber sind hier wie da nicht alle erwachsen? Warum „muss“ ich immer alles unter Kontrolle haben? Gibt mir das ein gutes Gefühl? Oder belastet mich diese weitere Bürde eher?

Ganz ehrlich?

Alles unter Kontrolle zu haben oder zumindest einmal das Gefühl der Kontrolle zu haben, ist auf den ersten Blick gesehen prima, aber eine völlig sinnfreie Vorstellung bzw. Aktion, denn man hat NIEMALS alles unter seiner Kontrolle, selbst dann nicht, wenn man alles Erdenkliche dafür tut!

Im Grunde genommen artet dies nur in Stress aus, der wiederum Körper, Seele und Geist belastet.

Habe ich an dies gedacht und an jenes? Aber vielleicht würde es ja ausreichen, wenn jeder hauptsächlich einmal die Verantwortung für seinen eigenen Kram übernehmen würde, sodass ich eben NICHT an dieses oder jenes denken muss. Doch dieses „MÜSSEN“ erlege ich mir ja selbst auf, ergo: Ich MUSS gar nichts, wenn ich es nicht möchte, und muss auch nicht andauernd für andere mitdenken. Sie können dies nämlich durchaus ganz alleine und vermutlich sind sie zwischendurch auch mal ganz froh darüber, wenn ich sie nicht mehr nerve mit: „Hast du das schon erledigt?“ „Guck mal hier – guck mal da …“ „Wir müssen noch“ respektive: „Du musst noch …“

Nein, ich habe verstanden!

Der Inhalt meiner inneren Radtaschen wird definitiv reduziert. Jeden Tag ein bisschen mehr, das nehme ich mir zumindest einmal vor.

Am besten beginne ich damit gleich heute, mich nicht mehr für alles verantwortlich zu fühlen, denn damit werden meine Schultern etwas leichter und Christians Gepäck ist deswegen mit Sicherheit genauso gut auf dem Gepäckträger des Bikes verschnallt!

 

Fazit:

Ich kann in meinem Verantwortungswahn schon sehr nervtötend sein, aber das wird jetzt alles anders! Zumindest beginne ich, daran zu arbeiten, damit ich auch dieses Thema irgendwann einmal ganz ad acta legen kann.

Merksatz:

Ich gebe die Verantwortung an die entsprechenden Personen zurück!

So … und was kann ich noch ändern, um meinem Leben mehr Leichtigkeit zu geben?

Oh, vieles! Aber ob dies alles auf die Schnelle machbar sein wird? Eher nicht! Ist doch das Meiste über Jahre hinweg eingefahrenes Gedankengut, von dem zu lösen es einiges an Konsequenz erfordert.

 

Ein paar Beispiele auf die Schnelle:

 

Flugangst …

Es geschehen erwiesenermaßen mehr Autounfälle als Flugzeugabstürze, dennoch setze ich mich jeden Tag in meinen Wagen und fahre kilometerweit durch die Gegend. Was also hindert mich daran, in ein Flugzeug zu steigen? Und wie wäre es zur Abwechslung mal wieder mit „Vertrauen“?

Unsicherheit beim Radeln, insbesondere mit schwerem Gepäck …

Warum drücke ich mit Bestimmtheit aus, dass ich auf Kies- und Schotterwegen unsicher fahre?

Warum beschließe ich nicht einfach, Vertrauen in mich selbst zu haben und auch unbefestigte Strecken problemlos zu bewältigen?

Aber es gibt auch gewisse Dinge, die ich bereits wahrnehme und die sich hier, auf dieser Reise, zu verstärken scheinen.

 

Dankbarkeit …

Eine tiefe Dankbarkeit überwältigt mich jeden Tag aufs Neue, wenn ich diese wundervolle Landschaft erblicke, die uns begleitet, uns tagsüber so viele unvergleichliche Motive schenkt und uns nachts inmitten der Berge, Bäume, Flüsse und Seenlandschaft unter traumhaftem Sternenhimmel Zufluchtsorte und Standplätze für unser Zelt bietet. Ich empfinde dies nicht mehr als Selbstverständlichkeit und lerne, für das, was mir begegnet, einfach nur dankbar zu sein.

Wie klein wir doch in der großen Welt der Schöpfung sind und dennoch ein Teil des Ganzen, das ohne uns auch nicht komplett wäre.

Schön, dass wir dazugehören dürfen, genau so, wie wir sind, wie wir zu jenem Moment sein dürfen, damit alles so ist, wie es ist … wie es sein soll.

 

Sei achtsam zu allem, was ist …

Ich versuche es jeden Tag aufs Neue, aber ich gebe zu, dass ich damit ein Problem habe, Schnaken gegenüber achtsam zu sein, die sich gütlich an meinem Blut laben und parallel dazu mit ihren Stichen erreichen, dass ich letztendlich nun eine große, nässende, offene Wunde von 1 x 2 cm auf dem Fußrücken habe, die nach zwei Wochen noch immer nicht verheilt ist. Aber vielleicht bekomme ich ja noch die telepathische Verbindung zu den Insekten, um sie davon zu überzeugen, dass wir uns gegenseitig in Ruhe lassen könnten, jeweils zum Vorteil des anderen.

 

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