Vorfreude ist nicht immer die schönste Freude …

… denn manchmal ist sie – obwohl sehr groß – dennoch nur ein Bruchteil dessen, was man empfindet, wenn es dann tatsächlich soweit ist und der große Tag gekommen ist.

Gestern Nacht haben wir nur zwei Stunden geschlafen, nicht etwa, weil wir aufgeregt waren, nein eher deswegen, weil wir noch abendlich zwei Kannen Schwarztee geleert haben, was uns bis zum Geht-nicht-mehr aufgeputscht hat. Endlich gegen 01.30 Uhr weggeratzt, klingelt mein Handywecker um 03.30 Uhr und ich sitze senkrecht im Bett und zwinge mich, sofort aufzustehen, nicht dass ich noch einmal einschlafe, denn das wäre fatal. Müssen wir doch schon um 7.00 Uhr in Karlsruhe sein und das bei Schnee und z.T. nur sehr mäßig geräumten Autobahnen.

Ich koche eine Kanne Kaffee zum Wachwerden für unterwegs, dann bimmelt auch schon Whatsapp mit einer Nachricht, dass der Zeitpunkt 7.00 Uhr eingehalten wird, vielleicht aber auch schon eine halbe Stunde früher. Super. Wenn der Transporter wirklich schon um 06.30 Uhr an Ort und Stelle ist, müssten wir eigentlich schon fast unterwegs sein. Es ist 04.00 Uhr, als ich Christian wecke und schon zwanzig Minuten später sind wir startklar.

Das Auto von Schnee und Eis befreit, ein Korb mit allen möglichen Utensilien wie Hundeleinen, Leckerli, Wasserflasse, Trinkschüssel, Kaffee, etc. bestückt, machen wir uns auf die Strecke.

Wo es hingeht?

Karlsruhe!

Warum?

Weil wir dort die beiden Maltesermixe übernehmen, die wir aus Spanien über eine Tierschutzorganisation adoptiert haben.

Warum ausgerechnet jetzt im tiefsten Winter?

Weil es vorher leider keine Möglichkeit gab, die beiden hierher nach Deutschland zu transferieren, ohne dass wir an die 1000 km zur Abholung hätten fahren müssen. Jetzt sind es nur etwa 225 km und wir sind zufrieden. Mehr jedoch noch freuen wir uns unglaublich auf die beiden Süßen, die wir bislang nur und ausschließlich von Fotos und über die Beschreibung her kennen.

Wir sind unglaublich gespannt darauf, wie sich unser Kennenlernen, aber auch unsere Rückfahrt im PKW gestalten wird.

Wir treffen tatsächlich um 7.00 Uhr am Zielpunkt in Karlsruhe-Durlach-Aue ein. Der Transporter steht auch erst seit zehn Minuten, also alles gut. Alle sind in der Zeit.

Als erstes bekommen wir die Papiere und Impfpässe der beiden Hunde ausgehändigt, dann drückt sich der Fahrer durch den schmalen Transportergang, der rechts und links mit vielen besetzten Hundeboxen bestückt ist. Er öffnet eine der obersten Boxen, holt Marco heraus und drückt ihn Christian in die Arme. Dann holt er Mari und ich habe ebenfalls ein süßes Fellbündel auf dem Arm. Die Kleine zittert ein wenig, aber weniger von der Kälte, die heute hier herrscht, sondern vor Aufregung. Christian und ich schauen uns an … Es ist Liebe auf den ersten Blick, die uns mit diesen beiden Hunden verbindet und es ist fühlbar, dass auch wir den Tieren absolut nicht gleichgültig sind..

Nachdem wir die Fahrer verabschiedet haben, lassen wir die beiden Fellnasen herunter und gehen mit ihnen ein paar Schritte. Schließlich haben sie eine sehr sehr lange Fahrt von vielen, vielen Stunden hinter sich. Alicante ist ja nun mal leider keinen Katzensprung von Karlsruhe entfernt. Aber nun haben sie es ja endlich geschafft.

Freundlich wedelnd springen sie an uns hoch und begrüßen uns ausgiebig, als wenn sie uns schon ewig kennen würden.

So unglaublich lieb, anhänglich und verschmust sind sie, … es ist kaum zu glauben.

Wir sind happy und ich bin davon überzeugt, die beiden Kleinen sind es auch.

Auf der Heimfahrt sind sie superlieb und lassen sich völlig stressfrei in ihr neues Zuhause kutschieren.

Wurden die beiden in Spanien nicht mit einem durchgebissenen Strick um den Hals gefunden? Wir können das durchaus nachvollziehen, denn in einem unbemerkten Moment (und ich habe die Viecherl auf der Heimfahrt wirklich so gut wie gar nicht aus den Augen gelassen), beißt Mari doch tatsächlich ihre neue Leine durch und verkürzt sie somit gleich mal um 20 cm. Okay, wieder was dazugelernt und davon abgesehen … die Leine hat mir eh nicht gefallen 😀

Und wer kriegt die Kiwis nun???

 

Marco muss sich sehr zusammenreißen, um zu widerstehen.

 

Mari auch 🙂

 

Kaum haben wir zusammen das Haus betreten, nehmen sie es auch schon in Besitz und weichen uns keinen Schritt mehr von der Seite. Egal was wir tun oder wo wir hingehen, sie sind immer hinten dran … oder vorne … oder seitlich … und sie haben Schmusenachholbedarf ohne Ende.

aaahhhh … da oben ist ne Fledermaus!!!

 

Erkundungstour

 

Erkundungstour

 

Marco

 

Marco

 

Mari

 

Sie sind einfach nur wundervoll! … Na ja und dann treffen sie auf unsere drei Katzen. Die erste, Frau Frieß, sucht gleich mal das Weite und verzupft sich ins Badezimmer im ersten Stock. Minka hat mit zwei Hunden überhaupt nicht gerechnet und wird stinksauer, zumal Mari sie ebenfalls anzickt und anknurrt. Marco geht dazwischen, knurrt Mari an, Minka teilt zwei Tatzenschläge aus und sucht ebenfalls das Weite, in dem Fall rettet sie sich erst mal auf die Fensterbank, Marco und Mari hinterher, eine Jagd über den Sessel und quer durchs Wohnzimmer … Die Orchidee hat’s gerade noch überlebt, dann flüchtet Minka auf die Treppe und die Hunde kommen jetzt sogar auf Zuruf.. Das kleinste Kätzchen, Feliz, welches seit Weihnachten bei uns ist, beschließt, sich überhaupt nicht zu bewegen und hat somit gewonnen. Zumindest mal bei Marco, der sie sogleich beschmust und abschleckt. Mari dagegen knurrt wieder und Marco ruft sie zur Raison. Katzi verzieht sich nun in Zeitlupe und bei den Hunden kehrt Ruhe ein. Jetzt bekommen sie erst einmal Futter, zumal sie ziemlich ausgehungert sind. Gestern hat es vor der Fahrt wohl nichts mehr gegeben, damit sie die lange Strecke ohne Übelkeit überstehen.

Danach sind sie erst mal fertig mit der Welt, nehmen ihr Kissen in Beschlag (Katzis Spielzeug haben sie z.T. vorher schon in Besitz genommen) und schlafen fast im selben Moment ein … so hat es zumindest den Anschein. Jedoch kaum erheben wir uns von den Stühlen und wollen zwei Meter an ihnen vorbeischleichen, springen sie schon wieder auf! Geht ja gar nicht, dass wir mal ein paar Schritte ohne sie gehen! Irgendwann schnallen sie jedoch, dass wir sie nicht wieder verlassen sondern nur ab und an auch zumindest mal eine Kleinigkeit außer Hunde-Streicheln erledigen müssen.

Nix da, ist nix mit Schlafen …

 

Attacke ……..

 

Bussiiiiiiiiiii

 

Zwischendurch gehen wir immer mal wieder mit ihnen raus. Die beiden Schnuckels sind hin und weg vom Schnee. Zwischen Spielen, auf drei Beinen hüpfen und einer hündische Schneeballschlacht in Form von weiß staubendem Gerangel miteinander, arrangieren sie sich mit der weißen Pracht. Ich schätze mal, sie haben noch niemals vorher Schnee gesehen.

Augenblicklich erkunden sie unser Büro (da gibt’s ja auch eine Menge toller Dinge, mit denen man sicherlich spielen kann, angefangen beim Papierkorb, in dem es so schön raschelt, über diverse Holzscheite (macht viel mehr Spaß, dieselben durch die Gegend zu tragen und irgendwo liegenzulassen, als zu verheizen),

Was macht der denn, wenn wir ihm das Holz klauen???

 

finden Ordner und diverse Kisten zum Anbeißen schön (was wir ihnen gleich mal entschieden untersagen) und landen letztlich auf dem Sofa (zumindest mal Marco, der sich das Teil gleich zu Eigen gemacht hat, derweil Mari es sich auf einem Riesenkissen gemütlich gemacht hat.

Wie sieht’s denn auf deinem Schreibtisch aus???

 

Auf Christians Schreibtisch siehts auch nicht viel besser aus!

 

Inzwischen ist es 20:00 Uhr und der erste Tag mit unserem spanischen Familienzuwachs ist schon bald vorüber. Ich werde heute mal sicherheitshalber hier unten schlafen, nicht dass es womöglich noch zu einem nächtlichen Zusammenstoß mit den Katzen kommt … Hhmm … fragt sich bloß, ob Marco auf dem Sofa ein Stückchen zur Seite rutscht, damit ich auch noch Platz darauf habe. Wenn nicht, dann muss ich das Teil eben doch ausklappen. Dann können wir uns alle ausstrecken.

Yeah, das Sofa ist MEINS … Aber ich hab die Decken nicht so zugerichtet!

 

Gute Nacht, Welt, und tausend Dank dafür, dass du uns solch wundervolle Geschöpfe geschenkt hast, die unser Leben unwahrscheinlich bereichern.

So, und jetzt ist erst mal Ruhe angesagt, ihr Quirlies. Es waren nun doch zwei anstrengende und aufregende Tage für euch. Träumt von Spanien und davon, dass wir mit euch ganz bestimmt einmal auf einen Urlaub dorthin fahren. Zwar nicht heute oder morgen, denn das wäre für euch dann doch ein bisserl zu viel, aber mit Sicherheit im Laufe der nächsten eineinhalb Jahre.

Und nun schlaft gut im Wissen darum, absolut geliebt und erwünscht zu sein! Ach ja … und lasst doch nun mal bitte den Sack in meinem Papierkorb in Ruhe. Ihr werdet nie wieder im Abfall nach Nahrung suchen oder auf der Straße leben müssen! Das verspreche ich euch aus dem tiefsten Innern meiner Seele … na ja … und das mit den Katzen kriegen wir auch noch hin 😉

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